Edelkrebs

Astacus astacus LINNAEUS, 1758

Andere deutsche Namen:
Flußkrebs, Adlerkrebs, Seekrebs, Rotscherling, rotscheriger Krebs, Butter- und Miterkrebs für frisch gehäutete Edelkrebse

Biologie

Der Edelkrebs ist der größte einheimische Krebs. Als Wohngewässer bevorzugt er nicht schnellfliessende Fließgewässer und stehende Gewässer mit Wassertemperaturen von mindestens 14° C im Sommer. Wassertemperaturen von mehr als 25° C werden nur kurzzeitig ertragen. An die Wasserqualität stellt er nicht so hohe Ansprüche wie der Steinkrebs. So kann er auch in mäßig organisch belasteten Gewässern häufig vorkommen. Bei extremem Sauerstoffmangel kann er auch kurzzeitig athmosphärischen Sauerstoff atmen.
Als nachtaktives Tier ist der Edelkrebs auf strukturierten Gewässerboden und Uferböschungen mit Versteckmöglichkeiten angewiesen. Sind nicht genügend Versteckmöglichkeiten vorhanden, gräbt er sich im lehmigem Untergrund eine Wohnhöhle. Der Edelkrebs ernährt sich von Wasserpflanzen und kleinen Tieren wie Würmern und Insektenlarven. Große Krebse können auch kranke Fische fangen und verzehren.
Bevor um 1860 die Edelkrebsbestände durch die aus Amerika eingeschleppte KrebspestKrebspest Die Krebspest ist eine tödlich verlaufende Krankheit an Flusskrebsen, die durch das Einführung amerikanischer Flusskrebsarten um 1880 in Mitteleuropa eingeschleppt wurde. fast total ausgerottet wurden, hatte der Edelkrebs ein erhebliches wirtschaftliches Gewicht.

Verbreitung / Gefährdung
Verbreitung in Europa

Der Edelkrebs ist im gesamten Mitteleuropa verbreitet. Verbreitungsgrenzen sind die Alpen und Pyrenäen. In Dänemark, auf den Britischen Inseln  und in Irland fehlt er. Im Norden besiedelt er ganz Schweden, Südnorwegen und Süd- und Mittelfinnland. Die östliche Verbreitungsgrenze liegt ungefähr auf der Linie zwischen dem Weißen Meer und der Krim.

Vorkommen in Deutschland:

Ursprünglich war der Edelkrebs im gesamten Gebiet der BRD verbreitet. Durch die 1860 eingeführte Krebspest ist der Edelkrebs fast total ausgerottet. Heute existiert er in wenigen räumlich begrenzten Restpopulationen. Im Zuge von Artenschutzprogrammen werden inzwischen in einigen Bundesländern Besatzmaßnahmen zur Wiederbesiedelung durchgeführt.
Der Edelkrebs kann als vom Aussterben bedroht angesehen werden.

Gefährdungsfaktoren:

Die größte Gefährdung geht von den eingeschleppten, die Krebspest übertragende Krebsarten aus. Hier ist besonders der Kamberkrebs zu erwähnen, der eine starke Ausbreitungstendez zeigt.

Schutz:

Das weitere Vordringen nicht heimischer Krebsarten muss verhindert werden. Viele Gewässer sind potentielle Krebsgewässer und können wieder mit Initialbesätzen etabliert werden.

Fortpflanzung

Der Edelkrebs hat, wie auch die anderen Krebsarten, eine eigentümliche Fortpflanzungsbiologie. Die eigentliche Paarung findet im Spätherbst statt. Dann ist das Männchen ausnahmsweise auch tagsüber aktiv und sucht ein Weibchen. Ist das Männchen fündig geworden, wirft es das Weibchen zur Paarung auf den Rücken. Nun gibt das Männchen aus den an der Basis des letzten Schreitfußpaares liegenden Geschlechtsöffnungen Spermaflüssigkeit ab. Die zu griffelartigen Begattungshilfsorganen umgebildeten ersten beiden Schwimmfußpaare formen diese langsam erstarrende Flüssigkeit zu reiskornförmigen Spermapakete, sogenannte Spermatophoren. Diese werden dem Weibchen an die Basis des dritten Schreitfußpaares und an die Unterseite des Schwanzfächers angeheftet. Damit ist der eigentliche Paarungsakt auch schon vollzogen. Die Eiablage findet erst 3 – 5 Wochen später statt. Die Eier werden dann an die Afterfüße angeheftet. Sie sind von einem Schleim umgeben, der mit einem Sekret die Spermatophoren anlöst und die eigentliche Befruchtung stattfinden kann. Die Eier werden von dem Weibchen bis in den Sommer des nächsten Jahres getragen. Die dann geschlüpften Jungen werden noch bis zu ihrer zweiten Häutung mitgetragen.

Anzahl Eier pro Weibchen: bis 400 Stück
Eigröße: 2- 3 mm
Fortpflanzungszeit: Oktober – November
Geschlechtsreife: 3. Jahr
Bestimmung

Der Edelkrebs ist der größte unserer einheimischen Krebsarten. Er besitzt kräftige Scheren, die an der Innenseite deutlich eingebuchtet sind (blauer Pfeil). Die Unterseiten der Scheren sind rötlich gefärbt und im Bereich des Scherengelenkes befindet sich ein leuchtend roter Fleck (grüner Pfeil). Hinter den Augen sitzen 2 Augenleistenpaare (rote Pfeile).
Der Panzer hat eine braun bis dunkelbraune Färbung.

Augenleisten: 2 Leistenpaare
Scheren: wenige
Dornen: groß, eingebuchtet
Wachstum
Literatur

Fische, Neunaugen und Flusskrebse in den Binnengewässern Deutschlands, Österreichs und der Schweiz